Dazu schrieb der Bürgermeister im Dezember 2018:
In den Medien wurden Ende 2018 Planspiele zu Gemeindefusionen kommuniziert. Nienhagen und Admannshagen-Bargeshagen haben, gemeinsam mit der Gemeinde Elmenhorst aus dem Amt Warnow-West, Beschlüsse zur Prüfung einer gemeinsamen Fusion gefasst. Wenn Nienhagen und Admannshagen-Bargeshagen die Amtsgemeinschaft Bad Doberan-Land verlassen, hat dies auch gravierende Auswirkungen auf unsere Gemeinde. Das Amt würde damit zu klein werden um zukunftsfähig zu sein. Das wollten die verbleibenden sieben Amtsgemeinden nicht einfach so hinnehmen.
Mit der Fusion entstünde eine Gemeinde, die groß genug für eine eigene Verwaltung wäre. Als Grund für die Planspiele werden Befürchtungen über eine Eingemeindung in Rostock, eine größere Wirtschaftskraft und Synergieeffekte bei der Bewirtschaftung der Gemeinde genannt. Aber auch eine Unzufriedenheit mit der jetzigen Verwaltung spielen dabei eine Rolle.
Reddelich hat 2018, wie alle anderen Gemeinden auch, der Landesregierung seine Eigenständigkeit erklärt und nachgewiesen. Das gilt zwar nicht für alle Zeiten, ich sehe aber keinen Grund, in den nächsten Jahren daran etwas zu ändern. Das ist die offizielle Position unserer Gemeinde zu dem Thema. Nachfolgendes sind persönliche Gedanken von mir.
In gewisser Weise kann ich die Planspiele sogar nachvollziehen. Bürgermeister und Gemeindevertretungen sehe ich sogar in der Pflicht, über die Zukunft ihrer Kommunen nachzudenken. Dazu gehört auch, Möglichkeiten auf ihre Machbarkeit zu überprüfen. Auch ich schaue gerne weit in die Zukunft der politischen Landschaft. Mein Blick über den Tellerrand zeigt, dass die derzeitigen gesellschaftlichen Verhältnisse, gerade auf dem Gebiet der kommunalen Verwaltung, alles andere als optimal sind.
Was ich grundsätzlich nicht habe, ist Angst vor Rostock. Da bin ich ehrlich mit mir: Selbst Reddelich profitiert von der Nähe der Großstadt. Eine Fusion unser beiden Kommunen hätte schon was. Mit solch einer Wirtschaftskraft im Rücken ließe sich vieles umsetzen, an das wir heute nicht einmal zu denken wagen. Ein starker Ortsbeirat und gute Beitrittsverhandlungen könnten da vieles bewirken. Ich habe auch noch nie davon gehört, dass Orte wie Dierkow, Biestow, Schutow, Evershagen oder Warnemünde ihre Eigenständigkeit zurück haben möchten.
Alleine wenn ich an die Kreisfreiheit von Rostock denke … Dass ich den Landkreis für obsolet halte, weiß jeder, der meine politischen Ansichten kennt – auch der Landrat. Die räumliche Trennung zwischen Reddelich und der Hansestadt ist natürlich zu groß für Fusionsträume. Da wird es noch ein paar Jährchen dauern um ernsthaft darüber nachzudenken. Wenn ich mir allerdings die räumliche Entwicklung anderer Großstädte anschaue … Eine Prognose, wie der Großraum Rostock in fünfzig Jahren aussehen wird, ist sehr schwer zu erstellen.
Nun zurück zur Gegenwart und Realität. Zum Amt Bad Doberan-Land sehe ich auf absehbarer Zeit keine bessere Alternative. Es ist, bei allen Unzulänglichkeiten, keine schlechte Verwaltung. Alle amtsangehörigen Gemeinden sind gut beraten, ihre Kraft in die Verbesserung der bestehenden Verwaltung zu stecken. Genau dies passiert derzeit. Das Amt Bad Doberan-Land steht vor den größten Erneuerungen und Modernisierungen seit Bestehen. Diese Reformen brauchen nun auch die Zeit für die Umsetzung und zur Entfaltung ihrer Wirkungen.
Um Synergien zu erzielen sind nicht zwangsläufig Fusionen notwendig. Das Potenzial an Kooperationen der amtsangehörigen Gemeinden ist noch längst nicht ausgeschöpft. Einen Amtsbauhof gibt es bereits. Dieser hat derzeit Betriebshöfe in Retschow und Reddelich. Es würden deutliche Effizienzsteigerungen möglich werden, sollten sich noch mehr Gemeinden entschließen, das Angebot anzunehmen. Auch der Begriff Amtsfeuerwehr sollte nicht zum Unwort erklärt werden. Sachlich Vor- und Nachteile abzuwägen ist kein Affront zu den ehrenamtlichen Leistungen der Feuerwehren in den Gemeinden. So ließen sich noch viel Beispiele anführen.
Eine Gemeindefusion kann eine Gemeindevertretung natürlich nicht gegen eine Mehrheit der Gemeindemitglieder durchziehen. Von daher ist der Zeitpunkt von Nienhagen und Admannshagen-Bargeshagen für eine solche Diskussion gut gewählt. 2019 stehen Kommunalwahlen an. Die Einwohner der betreffenden Gemeinden haben dann die Chance, die Pläne an der Wahlurne zu entscheiden. So funktioniert Demokratie. Das gibt mir die Zuversicht, dass der Gemeinde Reddelich keine unlösbaren Probleme durch Ausscheiden der zwei größten Gemeinden aus der Amtsgemeinschaft erwachsen.
Reddelich im Dezember 2018
Ulf Lübs
Im März 2019 ergänzte der Bürgermeister:
Die drei Gemeinden möchten nach erfolgreicher Fusion einen hauptamtlichen Bürgermeister wählen und als geschäftsführende Gemeinde das Amt Bad Doberan-Land übernehmen. So berichtete es die OSTSEE-ZEITUNG am 22. März in einem Artikel.
In einem Amt mit einer geschäftsfürenden Gemeinde wären die verbleibenden sieben Kommunen nur zweite Wahl. Priorität hätten dann die Interessen der geschäftsführenden Gemeinde. Derzeit sind alle neun Gemeinden der Amtsgemeinschaft gleichrangig und eine Solidargemeinschaft.
Das Entscheidungsgremium für die Verwaltung ist der Amtsausschuss, in den die Gemeinden stimmberechtigte Vertreter entsprechend ihrer Einwohnerzahl entsenden. Jede Stimme im Amtsausschuss ist gleichviel wert. Geregelt ist dies in der Kommunalverfassung von M-V. Diese Konstellation hat sich seit über 25 Jahren bewährt.
Gerade in den letzten Jahren hat sich erwiesen, dass der Amtsausschuss auch willens und fähig ist, seiner Führungsrolle für das Amt gerecht zu werden. Berechtigte Kritikpunkte an der Verwaltung werden derzeit offensiv abgestellt – und zwar mit der Verwaltung und nicht gegen sie. In dem Zusammenhang muss aber auch Erwähnung finden, dass das Handlungskorsett eines Amtes recht eng geschnürt ist. Für die meisten bürokratischen Verwaltungsabläufe kann das Amt nichts. Diese werden von außen diktiert. Für unsere Gemeinde liegt das Hauptproblem mit der Bürokratie auch nicht im Amt Bad Doberan-Land – das ist auf unserer Seite – sondern in der Kreisverwaltung.
Der erwähnte Zeitungsartikel läßt viele Ungereimtheiten zurück. So halte ich es für unverantwortlich, wenn ein ehemaliger Leitbildkoordinator öffentlich suggeriert, dass sich alle Probleme mit der deutschen Bürokratie durch Übernahme der Ämter durch Profis lösen ließen. Als wenn Großgemeinden mit eigener Verwaltung und Städte keine Probleme hätten.
Dass die Gemeindevertretungen der drei Fusionisten der Fusion bereits zugestimmt haben, ist an mir völlig vorbeigegangen. Ich bin da immer noch auf dem Stand, dass dort Gesprächen zu Fusionen zugestimmt wurde. Gespräche sind für mich ergebnisoffen und damit etwas völlig anderes als Fusionszustimmungen.
Spekuliert wird offensichtlich auch auf einen gemeinsamen Status als Ostseebad, wie ihn Nienhagen seinerzeit innehatte. Ob der Köder Ostseebad für alle fängig ist, wage ich zu bezweifeln. Garnicht erst angesprochen wurde die Option Ostseebad für niemanden, wenn die neue Gemeinde in der Summe die Kriterien für ein Ostseebad nicht erfüllt.
Am 26. Mai werden neue Bürgermeister und Gemeindevertretungen gewählt. Das ist quasi ein Bürgerentscheid. Die Wähler unserer Partnergemeinden werden ihre Favoriten sicher auch unter dem Aspekt aussuchen, wie diese zu den Fusionsplänen stehen. Schön wäre es, wenn für diese Entscheidungen auch die Besorgnis der Partner in der Nachbarschaft Berücksichtigung finden.
Reddelich im März 2019
Ulf Lübs
